Ausbildung im Wandel – Knowledge is power

Unternehmen kämpfen gegen den Fachkräftemangel

Bildung erhöht die Beschäftigungschancen. Wer gut ausgebildet ist, kann zuversichtlich in die Zukunft starten und muss den Fachkräftemangel nicht fürchten.  

Ausbildung im Wandel

Betriebliche Ausbildung als Strategie gegen Fachkräftemangel

Die duale Berufsausbildung hat einen sehr hohen Stellenwert und das nicht nur in Deutschland. Knapp zwei Drittel eines Jahrgangs beginnen nach der Schulzeit eine Berufsausbildung. Die gesetzliche Grundlage für das duale System beruht auf dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HWO). Letztere regelt seit 1953 die Berufsausbildung im handwerklichen Bereich. Der Vorteil einer dualen Berufsausbildung liegt in ihrer Nähe zum Beschäftigungssystem. Dies bedeutet, dass Unternehmen die Möglichkeit haben, ihren Nachwuchs praxisnah und bedarfsgerecht auszubilden und andererseits sichern sich die Auszubildenden hohe Übernahmechancen.

Laut EUROSTAT weist Deutschland die niedrigste Jugenderwerbslosigkeit in ganz Europa auf. Unternehmen können ihren Fachkräftebedarf von morgen über die Aus- und Weiterbildung junger Leute und ihrer Mitarbeiter decken. Die Studie der Deutschen Industrie und Handelskammer (DIHK) zeigt, dass bisher nur 12 Prozent der Unternehmen auf den Bewerbermangel reagieren und auch Schüler mit einem schlechteren Schulabschluss akzeptieren. Vom Bewerbermangel sind vor allem kleinere Betriebe betroffen. Unglücklicherweise sinken nicht nur die Bewerberzahlen, sondern auch die Qualifikationen.

Lehrlingsmarkt am härtesten betroffen

Ein Grund ist, dass qualifizierte Schulabgänger meist ein Studium anstreben. Unternehmen müssen diese Absolventen gezielt für eine duale Berufsausbildung anwerben. Kleinere Betriebe haben es prinzipiell schwerer als etablierte Unternehmen passende Mitarbeiter zu finden. Am härtesten trifft es den Lehrlingsmarkt. Ein anderer Grund ist, dass keine Kapazitäten für Marketingaktionen an Schulen bestehen; auch die Zeit spielt eine tragende Rolle. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Juni 2014 168.500 vakante Lehrstellen für 183.000 Bewerber. Davon blieben laut DIHK 55.000 Lehrstellen unbesetzt. 2015 soll es laut Prognose doppelt so viele unbesetzte Lehrstellen geben. Unternehmen bemängeln zunehmend fehlende soziale und persönliche Kompetenzen sowie einen Mangel an Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit, Umgangsformen und Disziplin. Nichtsdestotrotz liegen oftmals Branchen oder betriebliche Gründe für das Nichtbesetzen von Lehrstellen vor. Die häufigsten Gründe:

  1. Schlechte Entlohnung
  2. Wenig ansprechende Tätigkeit
  3. Tätigkeit unbekannt

Besonders hart trifft dies Bäckereien, Sanitärbetriebe, Dachdeckereien und Baubetriebe. Die Nachfrage auf Seiten der Kunden wird auch weiterhin hoch bleiben. Dennoch, eine Berufsausbildung in diesen Sektoren ist bei Schulabgängern auf Grund von Entlohnung und Tätigkeitsfeld nicht besonders attraktiv. Zudem schreckt harte, körperliche Arbeit, die noch dazu schmutzig macht, viele Bewerber ab.

Die beliebtesten Ausbildungsberufe

Frauen:

  • Industrie- oder Bürokauffrau
  • Medizinische Fachangestellte
  • Einzelhandelskauffrau

Männern:

  • Mechatroniker
  • Industriemechaniker
  • Einzelhandelskaufmann

Berufsausbildung als Chance für Studienabbrecher

Eine Studie des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) zeigt, dass knapp ein Drittel aller Studenten das Studium abbrechen. Unternehmen haben herausragende Chancen akademische Aussteiger für eine duale Ausbildung zu gewinnen. Darüber hinaus ist es eine hervorragende Möglichkeit, die absehbare Fachkräftelücke möglichst klein zu halten. Selbstverständlich ist diese Möglichkeit eingeschränkt, soll heißen nicht für alle Branchen, nicht für alle Berufe und nicht für alle Betriebe.

Medienbranche beliebt wie nie

Im speziellen die Medienbranche profitiert von den Auszubildenden, denn diese mögen Berufe in denen sie kreativ sein können wie beispielsweise der Beruf des Mediendesigners. Allerdings sollte man hier im Auge behalten, dass die Medienbranche grundsätzlich als unsicher gilt.

Selten gewordene Berufe

Schuhmacher

Den Gegensatz zur Medienbranche bilden (Ausbildungs)Berufe mit oftmals langer Tradition wie etwa Steinmetz, Messerschleifer, Schuhmacher oder Buchbinder. Steinmetze stellen unter anderem Grabsteine her oder arbeiten an Fassaden mit. In diesen Berufsfeldern finden sich weitaus seltener Auszubildende und wenn, dann zufällig. Das Problem ist schnell ausgemacht: künftige Auszubildende orientieren sich oftmals daran welche Berufsbilder sie aus dem eigenen Freundeskreis kennen.

Leidenschaft und Idealismus

Die Motivation, sich für einen „exotischen“ Ausbildungsberuf zu entscheiden, ist oft nicht mit dem eines „klassischen“ Ausbildungsberufes zu vergleichen. Meist entscheiden sich die Auszubildenden für einen exotischen Beruf, weil echtes Interesse für die Tätigkeit besteht. Das Gefühl, etwas aus eigener Hand geschaffen zu haben, eine spezielle Technik angewandt zu haben oder einfach die Faszination des Materiales selbst, sind nur einige der Gründe, aber auch eine lange Tradition weiter zu führen ist für viele wichtig. Allerdings muss man auch erwähnen, dass die beruflichen Zukunftsaussichten eher begrenzt sind. Leider scheidet eine Festanstellung nach der Ausbildung an den finanziellen Möglichkeiten des Ausbildungsbetriebes. Es gibt allerdings Möglichkeiten wie ein weiterführendes Studium, Selbstständigkeit oder eine Karriere im Ausland. Flexibilität ist eine Grundvoraussetzung, bedauerlicherweise nicht nur wenn es um den Tätigkeitsbereich, sondern auch wenn es um finanzielle Möglichkeiten geht.

Zukünftige Auszubildende sollten bei der Berufswahl in Erwägung ziehen, einen zukunftssicheren Beruf zu wählen. So landet der Beruf des Buchbinders auf dem absteigenden Ast, der Beruf des Steinmetzes hingegen nicht.

Ausbildung im Wandel

Unsere Infografik zeigt die beliebtesten Ausbildungsberufe innerhalb Deutschlands.

Die 10 beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland
  1. Kaufmann/-frau im Einzelhandel
  2. Verkäufer
  3. Kauffrau/-mann für Büromanagement
  4. KFZ-Mechatroniker/-in
  5. Industriekaufmann/-frau
  6. Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel
  7. Medizinische/-r Fachangestellte/-r
  8. Industriemechaniker/-in
  9. Bankkaufmann/-frau
  10. Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r
Die zunehmende Akademisierung verändert den Arbeitsmarkt
Die zunehmende Akademisierung macht es für Ungelernte und Hauptschüler schwer
Die zunehmende Akademisierung macht es für Ungelernte und Hauptschüler schwer

Schon heute gibt es mehr Studiengänge für Berufe die früher eine klassische Ausbildung zu Grunde hatten. Dazu zählen etwa Pflegeberufe. Das hat zur Folge, dass Unternehmen vor allem hochqualifizierte Mitbewerber einstellen und Fachkräfte mit einem geringeren Bildungsabschluss einer schwierigeren Ausgangslage gegenüber stehen. Zur Folge liegt das Absinken der Löhne. Ein abgeschlossenes Studium ist kein Garant für ein hohes Einkommen. Die steigende Akademisierung ist besonders bei Berufseinsteigern ein Problem und für Ungelernte und Hauptschüler wird es zunehmend schwer, eine Arbeitsstelle mit angemessener Bezahlung zu finden. Im Zuge des Fachkräftemangels lässt sich darüber hinaus sagen, dass dieser nicht flächendeckend und in allen Berufen gleich stark vertreten ist.

Bilder: Pixabay.de